Vorgeschichte: Die Planung der Rü.K.B.

Auf Rügen bilden sich drei voneinander unabhängige Interessensgruppen, die das Ziel verfolgen, die unerschlossenen Gebiete der Insel durch eine untergeodnete Eisenbahn ökonomisch zu entwickeln:

  • Die 1888 gegründete "Aktiengesellschaft Ostseebad Binz" will die Fischerdörfer Binz und Aalbek zu einem Ostseebad ausbauen und plant eine "Tertiärbahn" nach Putbus (s. Karte rechts), um zahlungskräftigen Gästen die Anreise zu ermöglichen. Fehlspekulationen führen aber bereits 1892 zum Konkurs der AG.
  • Baron v. Flatow und Ing. Bopp planen 1891 eine "Tertiärbahn" nach Binz. Die Fertigstellung ist für den 01. Juli 1891 vorgesehen; Vermessungsarbeiten haben bereits begonnen. Die "AG Ostseebad Binz" stellt jedoch kein Land für dieses Projekt zur Verfügung.
  • Der "Landwirtschaftliche Verein" in Bergen fordert die Erschliessung der nordwestlichen, westlichen und südlichen Inselgebiete. Eine "Tertiärbahn" soll landwirtschaftliche Produkte abtransportieren.
    Der "Pommersche Industrieverein" Stettin plant eine Strecke von seinen Kreidebrüchen zu einem Verladehafen am Jasmunder Bodden.
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Am 18. Januar 1892 hält der Kreisbaumeister Ohnesorg vor dem landwirtschaftlichen Verein Bergen einen "Vortrag über Tertiärbahnen für die Insel Rügen". Darin wird der Vorrang des Eisenbahnbaus gegenüber dem Strassenbau betont, die ökonomischen Aussichten formuliert und die Rentabilität einer Schmalspurstrecke berechnet.

Am 28. Juli 1892 tritt das "preussische Kleinbahngesetz" in Kraft. Die gesetzlichen Forderungen an Technik und Betrieb von Tertiärbahnen werden dadurch erheblich vereinfacht. Dies ermöglicht fortan auch weniger finanzkräftigen Unternehmen den Bau einer Kleinbahn.

Am 29. September 1892 schreibt der Stralsunder Anzeiger: "Nachdem nunmehr die Stralsunder Zuckerfabrik gegründet ist, wäre es zwecks Gedeihens des Unternehmens notwendig, Rübenland zu erschliessen, d.h. mit den nötigen Verkehrsmitteln zu versehen. (...) Der Redner schlägt den Gutsbesitzern des westlichen Teils der Insel Rügen den Bau einer Tertiärbahn Samtens, Gingst, Kluis, Trent zur Wittower Fähre vor. Andere Sprecher bevorzugen die Streckenführung Samtens, Dreschvitz, Boldevitz, Wittower Fähre oder Bergen - Wittower Fähre. (...) Die Linie Samtens - Gingst usw. würde bei einer Spurweite von 750mm und 30km Länge ca. 650.000 M kosten. Wenn das Planum der Chaussee benutzt wird, beträgt der Preis nur 465.000 M."

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Am 07. Juli 1893 tagt der Bergener Kreisausschuss unter Beteiligung namhafter Gutsbesitzer, um eine "Proposition zum Bau einer Kleinbahn" durch die Bau- und Betriebsfirma Lenz & Co. zu erarbeiten.
"Die Konstruktion anlangend, so interessiert hier vor allem die Spurweite (...) Wir glauben nun, dass die Spurweite um 1m sowie die Normalspur von vornherein ausscheiden können, einmal wegen der höheren Kosten und des Mehrbedarfs an Terrain, aber auch deshalb, weil sich auch bei geringerer Spurweite eine hinreichend sichere, schnelle, bequemeBeförderung von Personen und Gütern erreichen lässt (...) Es kann sich also nur um eine Entscheidung zwischen 60 und 75cm Spurweite handeln."
Es wird festgestellt, dass die Spurweite von 60cm im Personenverkehr "allerlei Unzuträglichkeiten mit sich bringt", wie ein Besuch in Friedland / Meckl. ergeben hat. Damit wird eine Spurweite von 75cm beschlossen. Zur Weiterbeförderung der landwirtschaftlichen Produkte sollen alle Strecken Verbindung zur Staatsbahn und zu einem Hafen erhalten.

Auf der Tagung des Kreistages am 22. August 1893 werden Finanzierungsfragen, der Status der zu gründenden Gesellschaft sowie die Streckenführung debattiert. Im Ergebnis wird die "Rügensche Kleinbahn Aktien-Gesellschaft" (RüKB) mit einem Kapital von 2.032.000 M gegründet. Davon bringen die Aktionäre Rügens 600.000 M auf. Der Regierungspräsident in Stralsund erteilt am 17. Juni 1895 die Konzession zum Bau der Kleinbahn, die nun bei der Firma Lenz & Co. beauftragt werden kann.

Das amtliche Siegel der RüKB in den ersten Betriebsjahren