Lenz & Co: Bau, Eröffnung und erste Betriebsjahre

Friedrich Lenz (1846 - 1930) ging in Stettin auf die Provinzial-Gewerbeschule, bevor er als Gehilfe des Kreisbaurates in Naugard sowie als Maurer arbeitete. Danach war er im technischen Büro der Berlin-Stettiner Eisenbahn sowie bei einem Stettiner Bauunternehmer angestellt. Als 24-jähriger beteiligte er sich an dem Bauunternehmen Feuerloh, das auch einige Eisenbahnbauten ausführte.

1875 gründete Lenz im Alter von 30 Jahren sein eigenes Tiefbauunternehmen. Die Altdamm-Colberger Eisenbahn AG beauftragte Lenz 1880 mit dem Bau einer 122 km langen Strecke, die 1883 zur vollen Zufriedenheit des Auftraggebers fertiggestellt und bis 1885 betrieben wurde. Damit hatte sich die Firma Lenz in Pommern eine hervorragende Referenz geschafft.

Von Anfang an setzte er auf eine wirtschaftliche Serienfertigung und vereinheitlichte Betriebsmittel ("Lenz-Normalien"). Seine Firma baute fast alle Kleinbahnen in Pommern und Mecklenburg. Aber auch im übrigen Deutschen Reich baute und betrieb Lenz durch Gründung mehrerer Tochterunternehmen insgesamt über hundert Bahnen.

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Streckenbau - Die Rügensche Kleinbahnen Aktiengesellschaft (RüKB) beauftragt Lenz mit dem Bau von zwei Kleinbahnstrecken, zwischen denen keine schmalspurige Verbindung besteht. Die Baukosten ohne Grunderwerb betragen 3.383.000 M. Da die Pläne für den Abschnitt Putbus - Binz bereits seit 1889 fertig vorliegen, beginnen am 07. Juli 1893 als erstes die Arbeiten an der 24,1 km langen "Bäderbahn" Putbus - Göhren. Im Frühjahr 1895 wird auch der Bau der Kleinbahn Bergen - Altenkirchen (37,9 km) als 750-mm-Bahn beschlossen. Am 17.Juni 1895 erteilt der Regierungspräsident die Konzession zum Betrieb der Bäderstrecke und am 21. Juli 1895 wird der Verkehr von Putbus nach Binz (10,8 km) aufgenommen. Inzwischen geht der Bau des Streckenabschnitts nach Sellin-West weiter, der am 20. März 1896 fertiggestellt wird. Als dritte Etappe wird am 23.Mai 1896 das nur 1,3km lange Teilstück Sellin-West / Sellin-Ost übergeben. Am 04. Juli 1896 ist die Strecke Altefähr - Putbus (35,3 km) fertiggestellt, so dass man nun ohne Umsteigen bis nach Sellin-Ost durchfahren kann. Der Fährbetrieb Wittower Fähre - Fährhof wurde am 17. September 1896 eröffnet, die Nordstrecke Bergen - Altenkirchen wird drei Monate später in Betrieb genommen (21. Dezember 1896). Der 4. Abschnitt der Bäderstrecke von Sellin-Ost nach Baabe folgt am 16. September 1897. Mit Eröffnung des Abschnitts Baabe - Göhren ist am 13. Oktober 1899 das Streckennetz der RüKB fertiggestellt. Am 20. Oktober 1900 wird das Kleinbahnunternehmen schliesslich in das Handelsregister des königlichen Amtsgerichtes Bergen eingetragen.

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Streckenabschnitt

Länge

Eröffnung

Stillegung Personenverkehr

Stillegung Güterverkehr

Altefähr - Putbus 35,27 km 04. Juli 1896 23. September 1967 23. September 1967
Putbus - Binz 10,85 km 21. Juli 1895 (noch in Betrieb) 11. Dezember 1967
Binz - Sellin West 6,98 km 20. März 1896 (noch in Betrieb) 11. Dezember 1967
Sellin West - Sellin Ost 1,20 km 23. Mai 1896 (noch in Betrieb) 11. Dezember 1967
Sellin Ost - Baabe 1,28 km 16. September 1897 (noch in Betrieb) 11. Dezember 1967
Baabe - Göhren 3,88 km 13. Oktober 1899 (noch in Betrieb) 11. Dezember 1967
         
Bergen - Wittower Fähre 22,67 km 21. Dezember 1896 20. Januar 1970 20. Januar 1970
Wittower Fähre - Fährhof 0,48 km 17. September 1896 (noch in Betrieb als Autofähre) 10. September 1968
Fährhof - Altenkirchen 14,55 km 21. Dezember 1896 10. September 1968 10. September 1968
         
Buhrkow - Starrvitz Gramtitz 1,72 km 01. November 1918 1920 1955
Starrvitz Gramtitz - Dranske Dorf 4,60 km 01. November 1918 1920 1929
Dranske Dorf - Bug

1,80 km

01. November 1918

1920

1920

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Nach der Betriebseröffnung finden bauliche Verbesserungen und Ergänzungen an den Kleinbahnanlagen statt. Dies betrifft neben der stark frequentierten "Bäderstrecke" Putbus-Göhren, auf der 1901 schon sieben Zugpaare täglich unterwegs sind, auch die Anlagen des Güterverkehrs. Es werden Hafenkais erweitert, Feuerschutzgräben in Wäldern errichtet und Gleisanlagen erweitert.

Auch an dem Bau einer Brücke über den Breetzer Bodden (Wittower Fähre - Fährhof), deren Bau schon am 9. März 1896 vom Rügenschen Kreistag beschlossen worden war, ist die RüKB weiterhin interessiert, da "... der Fährbetrieb das alljährliche Defizit dieses Streckenteils verursacht...", wie es im Geschäftsbericht 1901 heisst. Dieser Bau scheitert jedoch an dem Widerstand des "Vereins der Berufsfischer zu Breege".

Die starke Entwicklung des Verkehrs nach 1900 führt zu einer ersten Blütezeit, aber auch zu Problemen. Die 6 bei Betriebseröffnung vorhandenen zweiachsigen Loks vom Typ "n" werden durch den 20% stärkeren Typ "m" ergänzt; für die Bäderstrecke werden zwischen 1902 und 1910 sogar vierachsige Mallet-Maschinen des Lenz-Typs "nn" beschafft. Trotzdem fordert der Rügensche Ostseebäder-Verband 1910 eine Umspurung der Bäderstrecke auf Regelspur, da er aufgrund fehlenden Reisekomforts (Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h, keine Toiletten in den Wagen, etc.) Einbußen in der Zahl seiner Feriengäste fürchtet.


Wiek um 1897
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Nicht verwirklichte Streckenprojekte

  • Hafenanschlussgleis Lauterbach: Güterverkehrs-Projekt aus dem ersten Planungsstadium der Strecke Putbus-Binz, letztmals 1905 erwähnt.
  • Altenkirchen - Arkona: Die 8,8 km lange und mit 264.000 M. vorveranschlagte Strecke wird 1902/03 geplant. Sie soll kurz vor dem Bahnhof Altenkirchen nach Norden abzweigen und dem Kreidetransport von Arkona nach Wiek dienen. Die Zementfabrik in Züllchow steht diesem Projekt im Jahre 1903 noch völlig ablehnend gegenüber. 1914 sind die Verhandlungen so weit fortgeschritten, dass man in Wiek mit dem Bau des Kreidehafens beginnt; der Kriegsausbruch verhindert jedoch eine Fertigstellung. Ein letzter Anlauf zum Bau dieser Strecke scheitert im Jahre 1926 endgültig, da Kap Arkona kurze Zeit später zum Landschaftsschutzgebiet erklärt wird.
  • Sagard - Stubbenkammer: 1904 geplant scheitert dieses Projekt am Desinteresse der Anwohner.
  • Bubkevitz - Garz: Dieses 1907 genehmigte Projekt zur Verbindung der beiden RüKB-Strecken und Erschliessung der westlichen Inselteile scheitert an der mangelnden Investitionsbereitschaft der Anlieger.
  • Trent - Schaprode: obwohl 1926 genehmigt scheitert auch dieses Projekt, weil die Interessenten nicht bereit sind, den erforderlichen Grund und Boden zur Verfügung zu stellen.